Leipziger Pfeffermühle: "Glaube, Liebe, Selbstanzeige"

13. September 2016      20 Uhr


Seit mehr als sechzig Jahren streut die Leipziger Pfeffermühle ihren scharfen Pfeffer ins politische Zeitgeschehen. Zu DDR-Zeiten befand sich das Ensemble auf ständiger Gratwanderung zwischen eigenem Anspruch und demütigender Zensur. Man musste „zwischen den Zeilen“ agieren. Heute sind hier andere Töne zu hören. Intelligenter Wortwitz, zynischer Spott und scharfzüngige Dialoge lassen die gepfefferte Politsatire zur Höchstform auflaufen.
 

Gnadenlos mahlen die drei Pfeffermüller vor allem gegen die Upperclass aus Politik, Finanzgewerbe und Kriegshandwerk. „Spare in der Schweiz, so hast du in der Not“, lautet das Credo der Steuersünder, die mit ihrer Selbstanzeige glimpflich davonkommen wollen. Denn: Ein Geständnis ist ein Vorgang, mit dem man anderen zuvorkommen will, bevor sie dahinterkommen. So singt denn auch Rebekka Köbernick genüsslich: „Oh, mein Papa war ein großer Finanzmann, oh mein Papa war ein großer Gangster“.
 

Ob mobiles Wohnen im Regional-Express, Paartherapie mit parteipolitischen Vorzeichen, geriatrischer Untergrund, Drohnen-Steuerer Tom aus den USA oder ein Elternabend des absoluten Vertrauens – die Drei aus Leipzig lassen nichts aus. Und Mutti Merkel?
„Gefühlte zwei Ewigkeiten haben wir die Merkel, und dennoch weiß keiner so genau, wen haben wir da eigentlich? Ist es Honeckers späte Rache oder die schwarze Mamba der Politik.“
 

Die Pfeffermühle hat weder an Liebe noch an Glaube gespart im neuen Programm und überhaupt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. So hoffen wir.

 

 

 

 

 

Luise Kinseher: "Ruhe bewahren!"

5. Oktober 2016      20 Uhr

 

Kaum einer kennt sie nicht, die Nockherberg-Bavaria, die Jahr für Jahr die Politprominenz in Grund und Boden stampft. Auch in ihrem neuen Bühnenprogramm zeigt sie sich nicht gerade von der zimperlichen  Seite. Luise Kinseher, die bayerische Vollblut-Kabarettistin mit einem Master in Germanistik geht wieder aufs Ganze. In ihrer unnachahmlichen Art präsentiert sie ihr fulminantes  Figurenszenario und schöpft dabei aus dem prallen Leben.  
         
Ob Frau Frieses Dialog über ihren dementen Mann mit dem Gutachter der Pflegeversicherung  oder der Frust der alkoholisierten Hausfrau im Morgenrock oder das Warten der  lasziven Dame auf ein Abenteuer – Luise Kinseher weiß allzu gut um die menschlichen Schwächen. „Es gibt wirklich Männer, die taugen nur für eine Nacht!“  Meisterhaft drückt die Erzkomödiantin den Protagonisten ihres Programms ihren Stempel auf.
          
Der allgegenwärtigen Hetze des Alltags setzt sie ihr „Ruhe bewahren“ entgegen. Diese Notfall-Anweisung aus einem Lift hat sie zu ihrem Programm inspiriert.  Aber so einfach geht das nicht, wie sie überzeugend klar macht. Typisch Kinseher eben.

 

 

 

 

 

Detlev Schönauer: "Oma ist jetzt bei Facebook"

9. November 2016      20 Uhr

 

Er macht sich so seine Gedanken, der Diplom-Physiker und Kirchenmusiker Schönauer. Dass man beim Klassentreffen so langsam an einen Tisch für vier Personen denken muß, daß man einen Rollator mit Smartphone-Halterung und Navi entwickeln müsste oder daß es nicht mehr lange dauert, bis auch Opa und Oma Kevin und Vanessa heißen.
Passend zum Thema sein Song: „Deutschland sucht den grauen Star“.
Aber der Altmeister stimmt nicht nur Nachdenkliches an, sondern begeistert mit seinen unnachahmlichen Dialekt-Parodien von Schwyzerdütsch, Schwäbisch und Hessisch bis Norddeutsch. Scott McKenzies Song „San Francisco“ in Mundart ist einfach umwerfend. Und wenn er am Klavier eine Altenheim-Party inszeniert bleibt kein Auge trocken.
         
Mit dem ihm eigenen „französelnden Charme“ und seinem hintergründigen Humor trifft er den Nerv der Zeit – plaudert von der bei Facebook postenden Oma, von Smartphone-Beicht-Apps bei denen sich der „Sündenpool“ öffnet, von Altersgenossen auf Kreuzfahrten und gewinnt selbst der gegenwärtigen politischen Lage noch so manch Irrwitziges ab.
Mit vielen Kabarett-Preisen wurde der Mann mit der Baskenmütze schon bedacht. Mit seinem neuen Programm hat er einen Volltreffer gelandet. Witzig, klug, poetisch, frech und hochmusikalisch.

 

 

 

 

 

Jürgen B. Hausmann: "Weihnachtsspecial"

12. Dezember 2016      20 Uhr

 

Im wirklichen Leben heißt der Lehrer für Latein, Griechisch und Geschichte Jürgen Beckers; als Kabarettist nennt er sich Jürgen B. Hausmann und die rheinischen Karnevalisten lieben ihn als „Ne Hausmann“. Und als Hausmann wirft er seinen liebevoll-ironischen Blick in Wohnzimmer, Nachbarsgärten oder Vereinsheime. Beckers alias Hausmann gelingt es, mit seiner rheinischen Frohnatur die Komik des Alltags derart treffend einzufangen, dass kein Auge trocken bleibt. Dank seiner ausgezeichneten Beobachtungsgabe verwandelt er alltägliche Situationen in schreiend komische und groteske Geschichten.

Ein gefundenes Fressen ist für ihn natürlich das Weihnachtsfest, das mal wieder völlig überraschend vor der Türe steht. Genüsslich breitet er sich aus über Adventssingen, Plätzchen backen, Baumkauf oder Weihnachtsgans und weiß zwischen Weihnachtsfeiern und Krippenspielen Haarsträubendes zu erzählen.
Es wird sich wohl der eine oder andere wiedererkennen…

Ein herrlicher Spaß!