Weibsbilder: "Unbemannt – wir sind übrig"

20. Juli 2016      20 Uhr


Politisch unkorrekt, frauenfeindlich, sexistisch – so würde man einen Mann einstufen, wenn er die Gags der Weibsbilder vortragen würde. Anke Brausch und Claudia Thiel nehmen die holde Weiblichkeit hart ran, als Frauen dürfen sie das.
Die beiden wollen ihr Leben nicht länger als Restposten fristen, sie haben genug Frösche geküsst, aber es war partout kein Prinz dabei. „Wie kann es sein, dass russische Raumstationen bemannt sind und wir nicht?“
Spitzzüngig, sehr direkt und witzig nehmen die Weibsbilder hemmungslos und mitten aus dem Leben gegriffen die Klischees der Single-Frau aufs Korn. Mit intelligenten Lästereien gehen sie auf Männerfang und sind genau die Frauen, vor denen Väter ihre Söhne warnen: Selbstbewußt, schlagfertig und gelegentlich bitterböse.
Zwischen Derbheit und Charme schießen Brausch und Thiel ihre Satire-Pfeile auf die Artgenossinnen und geben tiefe Einblicke in die weibliche Psyche.
Dazu schlüpft das Duo in etliche schräge Figuren und punktet mit beachtlichen schauspielerischen und gesanglichen Fähigkeiten.
Ein echter Comedy-Knaller!

 

 

 

 

 

Leipziger Pfeffermühle: "Glaube, Liebe, Selbstanzeige"

13. September 2016      20 Uhr


Seit mehr als sechzig Jahren streut die Leipziger Pfeffermühle ihren scharfen Pfeffer ins politische Zeitgeschehen. Zu DDR-Zeiten befand sich das Ensemble auf ständiger Gratwanderung zwischen eigenem Anspruch und demütigender Zensur. Man musste „zwischen den Zeilen“ agieren. Heute sind hier andere Töne zu hören. Intelligenter Wortwitz, zynischer Spott und scharfzüngige Dialoge lassen die gepfefferte Politsatire zur Höchstform auflaufen.
 

Gnadenlos mahlen die drei Pfeffermüller vor allem gegen die Upperclass aus Politik, Finanzgewerbe und Kriegshandwerk. „Spare in der Schweiz, so hast du in der Not“, lautet das Credo der Steuersünder, die mit ihrer Selbstanzeige glimpflich davonkommen wollen. Denn: Ein Geständnis ist ein Vorgang, mit dem man anderen zuvorkommen will, bevor sie dahinterkommen. So singt denn auch Rebekka Köbernick genüsslich: „Oh, mein Papa war ein großer Finanzmann, oh mein Papa war ein großer Gangster“.
 

Ob mobiles Wohnen im Regional-Express, Paartherapie mit parteipolitischen Vorzeichen, geriatrischer Untergrund, Drohnen-Steuerer Tom aus den USA oder ein Elternabend des absoluten Vertrauens – die Drei aus Leipzig lassen nichts aus. Und Mutti Merkel?
„Gefühlte zwei Ewigkeiten haben wir die Merkel, und dennoch weiß keiner so genau, wen haben wir da eigentlich? Ist es Honeckers späte Rache oder die schwarze Mamba der Politik.“
 

Die Pfeffermühle hat weder an Liebe noch an Glaube gespart im neuen Programm und überhaupt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. So hoffen wir.

 

 

 

 

 

Luise Kinseher: "Ruhe bewahren!"

5. Oktober 2016      20 Uhr

 

Kaum einer kennt sie nicht, die Nockherberg-Bavaria, die Jahr für Jahr die Politprominenz in Grund und Boden stampft. Auch in ihrem neuen Bühnenprogramm zeigt sie sich nicht gerade von der zimperlichen  Seite. Luise Kinseher, die bayerische Vollblut-Kabarettistin mit einem Master in Germanistik geht wieder aufs Ganze. In ihrer unnachahmlichen Art präsentiert sie ihr fulminantes  Figurenszenario und schöpft dabei aus dem prallen Leben.  
         
Ob Frau Frieses Dialog über ihren dementen Mann mit dem Gutachter der Pflegeversicherung  oder der Frust der alkoholisierten Hausfrau im Morgenrock oder das Warten der  lasziven Dame auf ein Abenteuer – Luise Kinseher weiß allzu gut um die menschlichen Schwächen. „Es gibt wirklich Männer, die taugen nur für eine Nacht!“  Meisterhaft drückt die Erzkomödiantin den Protagonisten ihres Programms ihren Stempel auf.
          
Der allgegenwärtigen Hetze des Alltags setzt sie ihr „Ruhe bewahren“ entgegen. Diese Notfall-Anweisung aus einem Lift hat sie zu ihrem Programm inspiriert.  Aber so einfach geht das nicht, wie sie überzeugend klar macht. Typisch Kinseher eben.

 

 

 

 

 

Detlev Schönauer: "Oma ist jetzt bei Facebook"

9. November 2016      20 Uhr

 

Er macht sich so seine Gedanken, der Diplom-Physiker und Kirchenmusiker Schönauer. Dass man beim Klassentreffen so langsam an einen Tisch für vier Personen denken muß, daß man einen Rollator mit Smartphone-Halterung und Navi entwickeln müsste oder daß es nicht mehr lange dauert, bis auch Opa und Oma Kevin und Vanessa heißen.
Passend zum Thema sein Song: „Deutschland sucht den grauen Star“.
Aber der Altmeister stimmt nicht nur Nachdenkliches an, sondern begeistert mit seinen unnachahmlichen Dialekt-Parodien von Schwyzerdütsch, Schwäbisch und Hessisch bis Norddeutsch. Scott McKenzies Song „San Francisco“ in Mundart ist einfach umwerfend. Und wenn er am Klavier eine Altenheim-Party inszeniert bleibt kein Auge trocken.
         
Mit dem ihm eigenen „französelnden Charme“ und seinem hintergründigen Humor trifft er den Nerv der Zeit – plaudert von der bei Facebook postenden Oma, von Smartphone-Beicht-Apps bei denen sich der „Sündenpool“ öffnet, von Altersgenossen auf Kreuzfahrten und gewinnt selbst der gegenwärtigen politischen Lage noch so manch Irrwitziges ab.
Mit vielen Kabarett-Preisen wurde der Mann mit der Baskenmütze schon bedacht. Mit seinem neuen Programm hat er einen Volltreffer gelandet. Witzig, klug, poetisch, frech und hochmusikalisch.